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Leseprobe:

»Der Gesang der Fledermäuse« Verlag:  Schöffling 
»Der Gesang der Fledermäuse«
   von Tokarczuk, Olga

Uranus im Löwen
Es ist naheliegend, dass jeder Mensch das erste Horoskop sich selbst stellt, und so war es auch bei mir. Mir erschien damals eine bestimmte Konstruktion, gestützt auf einen Kreis. Verwundert betrachtete ich sie. Das sollte ich sein? Ein von mir selber projeziertes Ich lag vor mir, mein eigenes Ich in seinen Grundzügen, von allen Möglichkeiten die einfachste und zugleich die komplizierteste Variante. Ein Spiegel, der das sinnliche Bild des Gesichts in eine einfache geometrische Kurve verwandelte. Das, was mir am eigenen Gesicht bekannt und selbstverständlich erschien, war verschwunden. Was blieb, war eine charakteristische Streuung von Punkten, die Symblisierung der Planeten am Himmelsgewölbe. Nichts altert, nichts verändert sich, die Orte am Firmament sind einzigartig und fix. Die Geburtsstunde hatte den Raum des Kreises in Häuser geteilt, und so war die Kurve praktisch ebenso einzigartig wie die Papillarlinien.
Ich glaube, jeder von uns ist angesichts seines Horoskops sehr ambivalent. Einerseits ist er stolz, dass der Himmel auf seinem individuellen Leben einen Abdruck hinterlässt, wie den Datumsstempel auf einem Brief, und er somit gekennzeichnet und auf seine Art einzig ist. Doch das ist gleichzeitig auch eine Fessel, eine eintätowierte Gefängnisnummer. Dem kann man nicht entgehen. Ich kann keine andere sein, als ich bin.



Es gibt kaum Romane, in denen die Astrologie eine Rolle spielt. Dabei wird aber natürlich nicht mit Fachbegriffen überhäuft, die Autorin flicht die Astrologie ein wie Gedanken, wie kleine Blumen, die den kalten Winter, in dem der Roman spielt, etwas aufhellen. Es ist eine der schönsten Erzählungen, die ich jemals gelesen habe.

Der neue Roman von Olga Tokarczuk ist ein spannender moralischer Thriller. Die schrullige Erzählerin Janina Duszejko, Dorflehrerin für Englisch und im Winter Hüterin der Häuser von Sommerfrischlern auf einem windgepeitschten Hochplateau im Glatzer Kessel, hat zwei Leidenschaften: für Astrologie und für Tiere. Außerdem kämpft sie mit einem tückischen Leiden, liest und übersetzt mit einem ehemaligen Schüler die Gedichte von William Blake und räsoniert über die Sterne, die Menschen und die Bedeutung von Namen.

Vor allem aber entwickelt die Erzählerin kuriose Theorien über die an Tieren begangenen Verbrechen. Als in der Umgebung eine Leiche nach der anderen gefunden wird, ist sie, die allgemein als Verrückte angesehen wird, der Polizei immer einen Schritt voraus. Dabei weiß sie das unauffällige Erscheinungsbild einer "alten Frau mit Plastiktüte in der Hand" geschickt zu nutzen. In ihrem einsamen Kampf für die Sache der Tiere legt sie sich mit den Honoratioren der Umgebung, mit der Polizei und sogar mit der Kirche an - und begibt sich dabei in große Gefahr.





Preis:  22,95 Eur       x

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