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Leseprobe:

»Der Tod des Sokrates« Verlag:  Topos 
»Der Tod des Sokrates«
   von Guardini, Romano

Das Schicksal des Sokrates ist eines der wesentlichen Themen der abendländischen Geistesgeschichte. Welche Wege die philosophische Selbstbesinnung seit dem Jahre 399 v. Chr. auch gehen mag, irgendwann führen sie zu der rätselhaften Gestalt, die den Begegnenden so tief anrührt. Sokrates ist kein systematischer Philosoph und sagt doch über das, was Philosophie bedeutet, mehr als viele methodisch geordnete Schriften. Er ist unnachahmbar und hat doch auf die geistigmenschliche Haltung der folgenden Zeiten tiefer gewirkt, als die meisten Lehrer geistiger Lebensführung sonst. Seinem Schicksal aber, das so ganz aus einer bestimmten Situation herauswächst und so eng an seine persönliche Eigenart gebunden ist, wohnt eine Kraft der Vorbildlichkeit inne, wie nur wenigen anderen geschichtlichen Gestalten.

Nicht jede Persönlichkeit ermöglicht im gleichen Maße, was Begegnung heißt, denn diese setzt einen besonderen Charakter voraus. Ein Mensch kann bewunderungswürdige Qualitäten haben, aber so geartet, daß sie zwischen ihm und dem Herantretenden eine Schranke aufrichten. Ein anderer wirkt aufs stärkste, aber nur durch seine Leistung, während er selbst ganz zurücktritt. Wieder gibt es solche, die menschlich fesseln, aber darüber hinaus nichts bedeuten. "Begegnung" meint das Zusammentreffen mit einer geschichtlichen Gestalt, die unverwechselbar sie selber ist und doch Allgemeingültiges vertritt. An solchen Erscheinungen, die gerade durch ihre Einmaligkeit zum Wesentlichen führen, ist die Geschichte nicht reich; Sokrates ist unter ihnen eine der stärksten.



Preis:  9,90 Eur       x

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