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Leseprobe:

»Tarot und der Lebensweg des Menschen« Verlag:  Hugendubel 
»Tarot und der Lebensweg des Menschen«
   von Banzhaf, Hajo

Vorwort

Tarot ist ein Orakel, dessen Schicksal darin besteht, oft mit Kartenlegerei gleichgesetzt zu werden. Und da diese nebst Kaffeesatzlesen und anderen Jahrmarktsunterhaltungen zu keinem Zeitpunkt der Geschichte hohes Ansehen genoss, haben sich nur wenige Menschen je die Mühe gemacht, nach den Hintergründen der Tarotsymbolik zu suchen oder sie gar zu erforschen. Karten waren zu fast allen Zeiten so verpönt, dass gelehrte Geister sich nur lächerlich gemacht hätten - und es auch heute noch riskierten -, würden sie sich ernsthaft mit ihnen befassen.

Deshalb kennen nur wenige die tiefere Ebene, auf der Tarot eine archetypische Wahrheit überliefert, und die Behauptung, in den Karten stecke eine Lebensweisheit, löst bei den meisten günstigenfalls Verwunderung, oftmals aber nur ein mitleidiges Lächeln aus.

Im Unterschied zur Astrologie, die selbstbewusst auf eine 5000-jährige Tradition zurückblicken kann, in der sie - abgesehen von den letzten 200 bis 300 Jahren - vorwiegend von der Elite der Völker betrieben wurde, ist uns solches vom Tarot nicht bekannt. Die Vermutung, dass es sich auch bei diesem Kartenorakel um eine uralte geheime Tradition handelt, deren Wurzeln bis nach Indien oder in das alte Ägypten zurückreichen und die erst ab dem 14. Jahrhundert an das Licht der Öffentlichkeit gelangte, ist zwar vielfach behauptet und phantasievoll geschildert worden, blieb aber bis heute ohne wirklich stichhaltigen Beleg. Arthur Edward Waite, ein großer Experte auf diesem Gebiet, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts die heute populärsten Tarotkarten entwarf, stellte dazu kategorisch fest: "Es gibt tatsächlich keine Geschichte des Tarot vor dem 14. Jahrhundert."

Da bietet die altehrwürdige Sternenkunde schon mehr. Ihre Wurzeln reichen bis in die altbabylonischen Tage zurück. Ähnliches gilt für das Zufallsorakel der Chinesen, das I Ging. Man weiß, dass sich der große Konfuzius damit befasste und dieses Weisheitsbuch - das zu den ältesten Büchern der Menschheit zählt - um seine eigenen Interpretationen ergänzte. Seit diese Texte dann in den zwanziger Jahren von dem angesehenen Sinologen Richard Wilhelm wiederentdeckt und übersetzt wurden, faszinierten sie bei uns große Geister wie Carl Gustav Jung, Hermann Hesse, Marie-Louise von Franz und Lama Anagarika Govinda, die - wie viele andere - die unerschöpfliche Weisheit dieses Orakelbuches zu schätzen wussten.

Nun, es ist vergleichsweise leicht, von etwas fasziniert zu sein, das unbelastet und mit dem Ruf erhabener Weisheit aus exotischer Ferne zu uns kommt. Sich dagegen ernsthaft mit einem Thema zu befassen, das bei uns aus vielerlei Gründen verachtet in der Gosse liegt, ist dagegen heikel. Ganz sicher aber wäre Tarot nicht der erste Schatz, der aus dem Schmutz der Straße geborgen wurde. Möge dieses Buch seinen Beitrag dazu leisten.

Den entscheidenden Impuls verdanke ich der Amerikanerin Sallie Nichols, einer Jung'schen Tiefenpsychologin, deren profundes Buch "Jung and Tarot" mich vor vielen Jahren auf den mythologischen Hintergrund der Tarotkarten aufmerksam machte. Durch sie wurde mir klar, dass im Tarot die Reise des Helden bildhaft Gestalt annimmt. Dafür bin ich ihr sehr dankbar. Die Fährte, auf die sie mich damit brachte, hat mich seither nicht mehr losgelassen. In den 22 Karten der Großen Arkana archetypische Symbole auf dem Lebensweg des Menschen zu erkennen und diese immer tiefer zu verstehen, gehört zu den bereicherndsten Erfahrungen meines Lebens.




Diese Buch ist vergriffen und nicht mehr lieferbar! 

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